Tierpark

Oft belächelt: die Tierfotografie im Gehege!

Hallo zusammen,

da ich momentan durch eine Verletzung buchstäblich lahm gelegt bin, mich aber ohne die Fotografie nur schwer beschäftigen kann, gibt es heute den nächsten Blogeintrag von mir.

Ich möchte mich hier einem Thema widmen, dass sicherlich in Kreisen der Tierfotografen kontrovers diskutiert wird: der Tierfotografie in Gehegeeintrichtungen. Dieser Teilbereich umfasst alle möglichen Gehegeeinrichtungen, seien es Zoos, Tier- oder Wildparks oder auch größere Tierfreigehege.

Dieser Beitrag erhebt keinen Anspruch darauf, dieses Thema allumfassend zu diskutieren und darzustellen. Viel mehr möchte ich meine Sicht der Dinge darlegen.

Diejenigen, die sich mit diesem Thema noch nie auseinandergesetzt haben, werden sich nun fragen: was kann man denn eigentlich gegen Gehegefotografie haben? Nun, da ist zum einen die generelle Abneigung gegenüber Tieren in „Gefangenschaft“. Wer sich also ganz allgemein nicht mit dem Konzept eines Tiergeheges identifizieren kann, wird dort natürlich auch aus fotografischen Aspekten keinen Spaß haben können. Eine zweite Gruppe der Gegner ist bei den eingefleischten Wildlifefotografen zu finden. Diese empfinden meist nur die Tierfotografie in freier Wildbahn als wahre Tierfotografie und belächeln die Fotografen, die sich auch in Gehegeeinrichtungen herumtreiben. Zugegeben: sich in freier Wildbahn ein Motiv zu erarbeiten erfordert ein vielfaches an Zeit und Einsatz. Daher ist das Erfolgserlebnis dort natürlich auch um ein vielfaches größer. Trotzdem hat auch die Gehegefotografie für mich ihren ganz besonderen Reiz…

Was macht nun die Gehegefotografie aus?

Für mich sind Gehegeeinrichtungen vor allem Übungsorte. Hier kann ich fotografische Techniken ausprobieren und in aller Ruhe experimentieren, ohne die Angst haben zu müssen, dass das Bild nichts wird und der Moment eventuell nie wieder kommt. Ich kann mich in aller Ruhe mit Kamera und Objektiven vertraut machen und habe die Sicherheit, dass mir auf jeden Fall Motive vor die Linse kommen. Das ist naturgemäß in freier Wildbahn nicht immer gegeben. Ebenso kann ich es sehr genießen, mich einmal nur auf die fotografischen Aspekte der Tierfotografie zu konzentrieren. Ich muss mein Motiv nicht lange suchen, beobachten, auskundschaften – ich kann einfach nur fotografieren. Das ist mitunter wesentlich entspannender als man denkt!

Wer nun denkt, dass die Gehegefotografie völlig ohne Herausforderungen sei, der ist auf dem Holzweg. Für mich ist ein Foto im Gehege erst dann gut, wenn man am Foto selbst nicht erkennt, dass es in einem Gehege aufgenommen wurde. Auch davon gibt es natürlich Abweichungen – bei ganz besonders seltenen Momenten z.B. -, generell versuche ich aber dieses Kriterium mit meinen Fotos zu erfüllen. Dabei gilt es dann, sowohl störende Zäune im Vorder- und Hintergrund, als auch allzu künstliche Gehegeeinrichtung auszublenden. Das passiert bei mir teilweise einfach über den gewählten Bildausschnitt, aber auch über eine große Blendenöffnung und damit verbunden eine hohe Unschärfe in Vorder- und Hintergrund.

Auch wenn die Gehegefotografie dem Fotografen die Motive manchmal auf dem Präsentierteller anbietet, kann es doch lange dauern, bis man ein gewünschtes Foto auf der Speicherkarte hat. Selbst wenn Vorder-/Hintergrund und Umgebung im Gehege passend sind, das Licht stimmt und der Fotograf bereit ist, muss das Tier mitspielen. Wenn mein Motiv nun also nicht zum perfekten Zeitpunkt an der geplanten Stelle auftaucht, dann muss ich das Bild weiter im Kopf behalten und versuchen es bei einem späteren Besuch zu realisieren. So kann es durchaus passieren, dass ich für eine Aufnahme insgesamt mehrere Stunden vor einem Gehege warte.

Für mich wird die Gehegefotografie auch weiterhin einen hohen Reiz haben und einen ebenso hohen Stellenwert einnehmen.

 

Nachfolgend möchte ich noch ein paar Bilder aus der Galerie zeigen und erläutern, wie die Aufnahmebedingungen waren.

Tierfotografie Niklas Mattern, Wisentgehege Springe, Braunbär
Hier habe ich die Perspektive so gewählt, dass ich mit dem Bären möglichst auf Augenhöhe bin. Dies gelingt – wie auch hier – nicht immer perfekt, aber mit einer langen Brennweite stimmt der optische Eindruck dann doch.

 

Tierfotografie Niklas Mattern, Wisentgehege Springe, Braunbär
Wären die überhängenden Blätter im oberen Bildteil nicht gewesen, hätte man hier deutlich die Elemente des Holzzaunes im Hintergrund gesehen. Ich habe mir also ein Loch in den Blättern gesucht um den Bären scharf und deutlich abzubilden, den Rest aber zu „verdecken“.

 

Tierfotografie Niklas Mattern, Wildpark Alte Fasanerie Hanau, Luchs
Hinter dichtem Maschendrahtzaun konnte ich diesen Luchs fotografieren. Diese Art von Zäunen stellen nur ein Problem dar, wenn man nicht nah genug an sie heran kommt. Hier konnte ich mit dem Objektiv fast direkt am Zaun fotografieren, sodass der Zaun in der Unschärfe verschwindet.

 

Tierfotografie Niklas Mattern, Wisentgehege Springe, Przewalski-Pferd, Pferd
Bietet das Gehege genug Platz und ist naturnah gestaltet, sind auch kleinere Abbildungsmaßstäbe möglich!

 

Tierfotografie Niklas Mattern, Falkenhof im Wisentgehege Springe, Sakerfalke
Hier bildet das Herbstlaub einen schönen Hintergrund. Ich habe mit dem Auslösen gewartet, bis der Falke genau vor diesem Baum flog, sodass sich diese Farbenpracht zeigen konnte.

 

Tierfotografie Niklas Mattern, Falkenhof im Wisentgehege Springe, Wespenbussard
Der Wespenbussard saß hinter dichtem Volierendraht. Nur mit einer langen Brennweite, möglichst wenig Abstand zwischen Draht und Objektiv und einer weit geöffneten Blende bekommt man den Draht ausgeblendet.