Sumpfohreule

Zu Gast bei den Sumpfohreulen

Hallo zusammen!

Am vergangenen Wochenende hatte ich zum ersten Mal seit Wochen wieder die Gelegenheit, ausgiebig zu fotografieren.

Nachdem der Sonntag noch nicht verplant war, habe ich am Samstag den Entschluss gefasst zusammen mit einem anderen Fotografen am Sonntag den weiten Weg an die Nordseeküste zu den Sumpfohreulen anzutreten. Durch mehrere Fotos und Berichte in unterschiedlichen Foren hatte ich davon erfahren, dass mehrere dieser sonst sehr scheuen Eulen dort ohne große Fluchtdistanz auf einer Hundewiese zu fotografieren sind.

Gesagt, getan! Am Sonntag ging es also um 8 Uhr hier in Braunschweig los auf die 270km lange Strecke bis zur Nordsee. Bedingt durch wenig Verkehr und die Autobahn, die bis zu unserem Zielort führt, kamen wir schnell durch und waren gegen 10:30 Uhr am Zielort. Beim ersten Blick auf die Wiese wurde klar, dass einige andere Fotografen schon vor Ort waren und die Eulen entdeckt hatten. Sie ruhte gerade im Gras, vor ihr im Halbkreis hatten die Fotografen aufgebaut. Der Abstand zur Eule war so gering wie in den Berichten beschrieben, sie zeigte wirklich kaum Scheu. Sumpfohreulen gelten in Deutschland als vom Aussterben bedroht und sind nicht häufig anzutreffen. Ausserdem zeigen die hier heimischen Exemplare eine große Scheu und sind nur schwer vor die Linse zu bekommen. Die an der Küste anwesenden Eulen kommen augenscheinlich aber aus Gebieten zu uns zum Überwintern, in denen sie den Menschen nicht als Bedrohung wahrnehmen und daher auch nicht vor ihm Fliehen müssen.

Nach ein paar Fotos der Eule im Gras haben wir uns dann schnell einen anderen Standort auf der Wiese ausgesucht. Mit allen anderen Fotografen eine schlafende Eule zu belagern war nicht unbedingt unser Ziel. Wir wollten über diese Fotos hinaus auch Flugaufnahmen machen.

Nach einer kurzen wetterbedingten Flucht ins Auto konnten wir unser Fotovorhaben dann weiter verfolgen. Und es sollte so kommen, wie wir uns das gewünscht hatten. Die Eulen – am Sonntag konnten wir insgesamt drei beobachten – waren sehr aktiv auf der Wiese und zeigten viele Flüge. Dies lag leider mitunter auch daran, dass einige Fotografen es sich nicht verkneifen konnten den Eulen sofort hinterherzulaufen und dicht auf die Pelle zu rücken, sobald sie sich hingesetzt hatten. Dadurch wurden die Eulen mehrfach aufgeschreckt und zum Flug gezwungen. Wir verfolgten hier eine andere Taktik, die sich sogar als die erfolgreichere herausstellen sollte. Wir suchten uns einen Standort in der Wiese und warteten dort einfach, bis eine der Eulen auf ihren Jagdflügen an uns vorbei flog oder sich sogar dicht neben uns ins Gras setzte. Die dabei entstandenen Fotos entschädigen absolut für den langen Anfahrtsweg.

 

Schön ist auch gewesen, dass wir sehr wechselnde Wetterbedingungen und daher auch sehr wechselndes Licht hatten. So war es möglich die Eulen in allen erdenklichen Situationen zu fotografieren.

 

 

Ein fotografisches Highlight folgte dann relativ spät am Tag. Eine der Sumpofohreulen hatte sich wieder mal ins Gras gesetzt und hinter einem Grasbüschel etwas Schutz vor dem doch kräftigen Wind gesucht. Nachdem sie einige Zeit von anderen Fotografen belagert wurde, entschieden diese sich dazu ihren Standort noch einmal zu wechseln. Ohne andere Fotografen um uns herum konnten wir uns der Eule dann nähern. In einiger Entfernung hockten wir uns auf den Boden und machten ein paar Bilder.

Als ich merkte, dass die Eule sich von diesen Fotos nicht gestört fühlte, versuchte ich noch etwas näher heran zu kommen. Auf dem Bauch liegend kroch ich langsam an die Eule heran und beobachtete dabei ihr Verhalten. Sie hatte mich schon lange gesehen und schaute mich auch immer mal wieder direkt an. Eine bedrohliche Wirkung hatte ich aber offensichtlich nicht, denn sie drehte den Kopf auch immer  wieder weg von mir. Schlussendlich war ich ca. 5-6m von ihr entfernt (ich hatte den Fokusbegrenzer des Objektivs auf 7m gestellt und musste ihn zwischendurch umstellen) und konnte einmalige Portraitfotos machen.

In meiner Jackentasche hatte ich auch noch die Konverter, sodass mir letztendlich auch ein Portraitfoto mit maximalem Abbildungsmaßstab gelang.

Nach über 5 Stunden Fotografie auf der Wiese traten wir gegen 16 Uhr die Heimreise an. Ich hatte über 1000 Bilder gemacht und war mit der Ausbeute des Tages sehr zufrieden. So nah werde ich einer Sumpfohreule wohl so bald nicht mehr kommen. Wer weiß, ob es mir überhaupt noch einmal gelingen wird…

Die Fotos aus diesem Beitrag sind nun auch in der Wildlife-Galerie eingefügt und können dort in voller Größe betrachtet werden.