Rohrweihe

Ein Tag im Schreiadlerrevier

Hallo zusammen,

mittlerweile ist mein letzter Blogeintrag fast zwei Monate her und es wird Zeit von ein paar besonderen Erlebnissen in der Zwischenzeit zu berichten! Im April war ich gemeinsam mit einem Fotofreund wieder einmal ein paar Tage in Mecklenburg-Vorpommern. Diese Tage sollten ganz im Zeichen der Tierfotografie stehen und so hatten wir uns als oberstes Ziel vorgenommen, Fotos vom seltenen Schreiadler mit nach Hause zu bringen.

Dies gestaltet sich jedoch insofern schwer, als dass es auf deutschem Boden nur noch ca. 100 Brutpaare dieses kleinen Adlers gibt, die sich auf die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg verteilen. Eine Suche auf eigene Faust erscheint da nur sehr wenig sinnvoll und dürfte vor allem wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen als wir beiden durch Urlaubstage zur Verfügung gehabt hätten. Also fiel die Wahl auf einen vorbereiteten Ansitzplatz, der sich mitten in einem Schreiadlerrevier befindet und an dem seit mehreren Jahren erfolgreich Schreiadler fotografiert werden konnten.

Dort angekommen dauerte es nicht allzu lange, bis sich der erste Gast an dem kleinen Gewässer blicken ließ. Jedoch war es (noch) nicht der Schreiadler, sondern eine weibliche Rohrweihe die sich zu uns gesellte.

Auch andere Gäste, wie zum Beispiel mehrere Mäusebussarde und eine Bachstelze konnten wir in Verstecknähe fotografieren.

 

Doch irgendwann war der Moment gekommen, an dem der Schreiadler zum ersten Mal auf der Bildfläche erschien. Durch den eingeschränkten Blick aus dem Versteck hinaus konnten wir ihn erst spät bemerken. Er kam in typischer Schreiadlermanier!

Nachdem er sich ausgiebig umgesehen hatte und die Lage für sicher genug befunden wurde, fing der Schreiadler an langsam immer näher zu marschieren. Dies ist übrigens eine typische Jagdmethode des Schreiadlers, der sehr viel „zu Fuß“ unterwegs ist und sich dabei kleinere Beutetiere aus dem Gras fängt.

Über den Tag verteilt war der Schreiadler auf diese Weise mehrfach am Ansitzplatz und wir konnten ihn ausgiebig fotografieren und auch beobachten. Manchmal war er auch aus dem Blickfeld verschwunden und wir konnten seine Rufe in einer Baumreihe in einiger Entfernung hören. Ein einziges Mal nahm auch er auf dem Koppelpfahl Platz, sodass wir auch den Schreiadler in sehr schöner Freistellung festhalten konnten.

Zu unserem Glück spielte auch das Wetter halbwegs mit, sodass wir eigentlich den ganzen Tag über mit Sonnenlicht ausgestattet wurden. Zwar sind die technischen Möglichkeiten der Kameras heute sehr weit und wir hätten ihn auch an einem bewölkten Tag fotografieren können, aber für das letzte Quentchen Bildqualität ist ausreichendes Licht doch unersetzlich.

Schlussendlich hatten wir schon einige Bilder des Schreiadlers am Boden und auf dem Koppelpfahl auf den Speicherkarten. Bis dato hatten wir uns nur getraut unsere Objektive sehr langsam zu bewegen, um den Schreiadler durch die Bewegungen nicht aufzuschrecken (die teilweise aus dem Versteck herausragenden Objektive sind das einzige, was man von ausserhalb sehen kann). Wir entschieden uns nun aber dazu, es doch auch einmal mit Flugbildern zu versuchen. Das sollte sich als gar nicht so einfach herausstellen, denn der Schreiadler flog leider überwiegend an der Seite des Verstecks vorbei, die von uns nur schwer erreichbar war. Hier war dann eine gute Reaktionszeit gefragt, denn er verschwand schnell aus der Reichweite unserer Objektive. Leider schaffte es der Autofokus nicht immer, schnell genug auf den Kopf des Schreiadlers zu fokussieren.

Aber auch wenn der Autofokus traf und der Adler die bessere „Abflugroute“ nahm, blieben die Fotos schwierig. Teilweise kam er im Flug dann sehr nah an das Versteck heran und wir konnten ihn nicht mehr komplett auf das Bild kriegen.

Schlussendlich war uns das Glück aber dann doch noch hold und uns gelangen Flugaufnahmen des Schreiadlers bei denen einfach alles passte.

Als die Sonne sich dann gegen Abend wieder knapp über den Horizont schob, verließen wir das Versteck und traten den Heimweg in Richtung Hotel an. Der Tag im Schreiadlerrevier verlief für uns sehr erfolgreich und wir werden uns sicher noch lange an den Fotos erfreuen und damit auch die Erinnerungen im Kopf wieder hervorholen. Eines steht für uns fest: sollte es die Zeit erlauben, werden wir wiederkommen und den Schreiadler ein weiteres Mal besuchen!