Eule

Tierfotografie im Gehege des Nationalpark Bayerischer Wald

Hallo zusammen,

lange habe ich hier nichts mehr geschrieben, was vielleicht auch daran liegt, dass ich die Kamera im vergangenen halben Jahr nicht so oft in der Hand hatte wie ich es mir gewünscht hätte. Nun gibt es aber mal wieder eine Fotoserie, die ich hier präsentieren möchte!

Schon seit einiger Zeit wollte ich immer mal im Nationalpark Bayerischer Wald vorbei schauen, um das dortige Tierfreigelände bei Neuschönau (weitere Infos) zu besuchen. Die Berichte, die ich bis dato von dieser Anlage gelesen hatte, waren durchweg positiv. Kein Eintritt, nur geringe Parkplatzgebühren, rund um die Uhr zugänglich, große und naturnah gestaltete Gehege – eigentlich alles, was das Tierfotografenherz so begehrt.
Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, dass wir dieses Jahr ein paar Tage unseres Familienurlaubs im Bayerischen Wald verbringen konnten. So ergab sich für mich die Möglichkeit das Tierfreigelände bei Neuschönau an drei Tagen hintereinander ausgiebig zu erkunden und dort zu fotografieren.
Da der Rundweg im Tierfreigelände beachtliche 7km lang ist und über einige Anstiege verfügt, habe ich mir das Gelände aufgeteilt und an keinem Tag alle Gehege besucht. Von den unterschiedlichen Parkplätzen aus ging es in einen Teil des Geländes und nur zu ein paar Tierarten, was sich fotografisch auszahlen sollte.

Beginnen möchte ich mit den Eulenvolieren, in denen man Waldohreule, Waldkauz, Raufußkauz und Habichtskauz ganz nahe ist. Als begehbare Voliere angelegt, ist man nur beim Habichtskauz durch dünne vertikale Drähte von den Vögeln getrennt.

Tierfotografie Niklas Mattern. Nationalpark Bayerischer Wald, Tierfreigelände Neuschönau, Waldohreule
Gleich zu Anfang saß eine der Waldohreulen für mich in perfekter Fotoposition.

Tierfotografie Niklas Mattern. Nationalpark Bayerischer Wald, Tierfreigelände Neuschönau, Raufußkauz
Man könnte meinen, dieser Raufußkauz wäre mit meiner Anwesenheit nicht einverstanden gewesen. Tatsächlich war es ein Gähnen. 😉
Tierfotografie Niklas Mattern. Nationalpark Bayerischer Wald, Tierfreigelände Neuschönau, Habichtskauz
Den Habichtskauz habe ich erst am letzten Tag einigermaßen brauchbar erwischt. Davor war er stets durch die Vegetation verdeckt und nicht zu fotografieren.

Hinter den Eulen kam für mich als nächstes das Bärengehege, in dem derzeit ein Pärchen mit den beiden Jungtieren aus dem letzten Jahr leben. Die meiste Zeit sind Braunbären sehr gemütliche Gesellen, sodass ich sie insgesamt selten zu Gesicht bekam. Hinzu kommt, dass das Bärengehege wirklich weitläufig und voller Versteckmöglichkeiten ist, sodass sich die Bären hier auch gut zurückziehen können. Das trifft übrigens auf alle Gehege im Tierfreigelände zu! Möchte das Tier nicht gesehen werden, so wird man es auch nicht zu Gesicht bekommen.

Tierfotografie Niklas Mattern. Nationalpark Bayerischer Wald, Tierfreigelände Neuschönau, Braunbär
Ein erster Blick auf einen der Braunbären, direkt durch dichte Blätter.

Tierfotografie Niklas Mattern. Nationalpark Bayerischer Wald, Tierfreigelände Neuschönau, Braunbär
Bei einer weiteren Gelegenheit zeigten sich dann auch die Jungtiere, die in der Körpergröße schon an ihre Mutter heranreichen.

Hinter dem Bärengehege lag direkt die Greifvogelvoliere, die in zwei Bereiche unterteilt ist. Auf der einen Seite leben zwei Schreiadler zusammen mit einem Schwarzstorch, auf der anderen mehrere Wespenbussarde und Schwarzmilane in Vergesellschaftung. Auch hier ist die Voliere wieder begehbar und nur auf der Seite der Schreiadler mit vertikalen Drähten abgetrennt. Die Wespenbussarde auf der anderen Seite flogen mir des öfteren über den Kopf. 😉

Tierfotografie Niklas Mattern. Nationalpark Bayerischer Wald, Tierfreigelände Neuschönau, Schwarzstorch
Der Schwarzstorch. Die Umgebung passt ganz gut zu seinem wirklichen Habitat, denn als Waldbewohner lebt er eher versteckt.
Tierfotografie Niklas Mattern. Nationalpark Bayerischer Wald, Tierfreigelände Neuschönau, Wespenbussard
Einer der Wespenbussarde hatte mich genau im Blick und posierte dabei hervorragend.
Tierfotografie Niklas Mattern. Nationalpark Bayerischer Wald, Tierfreigelände Neuschönau, Wespenbussard
Mit etwas Glück gelangen mir auch Abflugfotos vom Wespenbussard. Ich war zufällig zur Fütterungszeit vor Ort, als die Vögel sehr aktiv waren.

Weiter geht es mit den Wildkatzen, die ebenfalls in einem begehbaren Gehege leben. Hier war ich von der Gehegegröße ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Mit den räumlichen Möglichkeiten die im Tierfreigelände gegeben sind hätte man den Wildkatzen durchaus ein größeres Gehege spendieren können. Da kenne ich wesentlich kleinere Wildparks, die den Katzen ähnlich viel oder sogar viel mehr Freiraum bieten. Dennoch sind mir auch hier ein paar brauchbare Aufnahmen gelungen.

Tierfotografie Niklas Mattern. Nationalpark Bayerischer Wald, Tierfreigelände Neuschönau, Wildkatze
So frei waren sie selten zu beobachten.

Tierfotografie Niklas Mattern. Nationalpark Bayerischer Wald, Tierfreigelände Neuschönau, Wildkatze
Etwas Neugier schwingt auch bei den jungen Wildkatzen noch mit. 😉
Tierfotografie Niklas Mattern. Nationalpark Bayerischer Wald, Tierfreigelände Neuschönau, Wildkatze
Zu zweit fühlt es sich dann aber doch sicherer an.

Obwohl mit dem Uhu auch die größte Eulenart im Tierfreigelände gehalten wird, ist er nicht bei den anderen Eulen angesiedelt. Der Uhu hat eine eigene begehbare Voliere zwischen Luchs und Wildkatzen. Bei meinen Besuchen dort saßen die beiden Uhus jedoch auf den immer gleichen Plätzen in der Felswand.

Tierfotografie Niklas Mattern. Nationalpark Bayerischer Wald, Tierfreigelände Neuschönau, Uhu
Fotogen, aber mit wenig Abwechslung: der Uhu in der Felswand.

Vom Uhu ging es weiter zu den Wölfen, die – ganz im Gegenteil zu dem vergleichsweise kleinen Wildkatzengehege – ein riesiges Areal zur Verfügung haben. Das Gehege der Wölfe liegt am Hang und mittig ist eine Aussichtsplattform für die Besucher eingerichtet, von der man mehr oder weniger alle Gehegeteile gut einsehen kann. Trotzdem ist man von den Wölfen dort oft noch sehr weit entfernt, weshalb ein Fernglas hier gute Dienste leistet. Wir waren zufällig zur Fütterungszeit (Mo/Mi/Fr – ca. 13:30 Uhr) dort und konnten das Rudel daher gut sehen.

Tierfotografie Niklas Mattern. Nationalpark Bayerischer Wald, Tierfreigelände Neuschönau, Europäischer Wolf
Ein einzelner Wolf lief schon vor der Fütterung immer mal wieder an der Aussichtsplattform vorbei.
Tierfotografie Niklas Mattern. Nationalpark Bayerischer Wald, Tierfreigelände Neuschönau, Europäischer Wolf
Zur Fütterung wird die Ration dann auf diesen Stein gelegt, der danach von den Wölfen einzeln angelaufen wird.

Nach den Wölfen sind wir als Familie dann noch durch das Wildschweingehege gegangen, welches die Größe des Wolfsgeheges nochmal übertrifft und auch begehbar ist. Alleine der Spaziergang durch dieses Gehege hat für uns mindestens 10 Minuten gedauert, so groß ist das Areal. Hier bekamen wir auch nur ein Wildschwein zu Gesicht.

Tierfotografie Niklas Mattern. Nationalpark Bayerischer Wald, Tierfreigelände Neuschönau, Wildschwein
Das Wildschwein trieb sich gerade an einer der Futterstellen herum. Die hügelige Landschaft ermöglichte auch sehr tiefe Perspektiven.

Mein persönliches Highlight hatte ich dann beim Luchs, welcher auch ein Gehege am Hang mit vielen Versteckmöglichkeiten bewohnt. An den ersten beiden Tagen bekam ich ihn immer nur sehr kurz, sehr versteckt oder eben auch gar nicht zu Gesicht.

Tierfotografie Niklas Mattern. Nationalpark Bayerischer Wald, Tierfreigelände Neuschönau, Luchs
Eine kurze Audienz im Dickicht, mehr gab es die ersten zwei Tage beim Luchs nicht.
Tierfotografie Niklas Mattern. Nationalpark Bayerischer Wald, Tierfreigelände Neuschönau, Luchs
Dafür präsentierte er sich am letzten Abend so, dass ich ihn mit der untergehenden Sonne im Hintergrund fotografieren konnte. Für mich eines der absoluten Highlights dieser drei Tage!

Insgesamt muss ich sagen, dass das Tierfreigelände bei Neuschönau sicher (mit) die schönsten und natürlichsten Gehege für einheimische Wildtiere bietet, die ich kenne. Bei einzelnen Arten sind die Gehege in großen Wildparks ähnlich oder besser gestaltet, in der Summe hat das Tierfreigelände allerdings die Nase deutlich vorn. Mindestens ein weiterer Besuch wird in Zukunft wohl folgen, auch weil ich das zweite Tierfreigelände bei Falkenstein (dort besonders das Wolfsgehege) noch erkunden möchte.

Zu Gast bei den Sumpfohreulen

Hallo zusammen!

Am vergangenen Wochenende hatte ich zum ersten Mal seit Wochen wieder die Gelegenheit, ausgiebig zu fotografieren.

Nachdem der Sonntag noch nicht verplant war, habe ich am Samstag den Entschluss gefasst zusammen mit einem anderen Fotografen am Sonntag den weiten Weg an die Nordseeküste zu den Sumpfohreulen anzutreten. Durch mehrere Fotos und Berichte in unterschiedlichen Foren hatte ich davon erfahren, dass mehrere dieser sonst sehr scheuen Eulen dort ohne große Fluchtdistanz auf einer Hundewiese zu fotografieren sind.

Gesagt, getan! Am Sonntag ging es also um 8 Uhr hier in Braunschweig los auf die 270km lange Strecke bis zur Nordsee. Bedingt durch wenig Verkehr und die Autobahn, die bis zu unserem Zielort führt, kamen wir schnell durch und waren gegen 10:30 Uhr am Zielort. Beim ersten Blick auf die Wiese wurde klar, dass einige andere Fotografen schon vor Ort waren und die Eulen entdeckt hatten. Sie ruhte gerade im Gras, vor ihr im Halbkreis hatten die Fotografen aufgebaut. Der Abstand zur Eule war so gering wie in den Berichten beschrieben, sie zeigte wirklich kaum Scheu. Sumpfohreulen gelten in Deutschland als vom Aussterben bedroht und sind nicht häufig anzutreffen. Ausserdem zeigen die hier heimischen Exemplare eine große Scheu und sind nur schwer vor die Linse zu bekommen. Die an der Küste anwesenden Eulen kommen augenscheinlich aber aus Gebieten zu uns zum Überwintern, in denen sie den Menschen nicht als Bedrohung wahrnehmen und daher auch nicht vor ihm Fliehen müssen.

Nach ein paar Fotos der Eule im Gras haben wir uns dann schnell einen anderen Standort auf der Wiese ausgesucht. Mit allen anderen Fotografen eine schlafende Eule zu belagern war nicht unbedingt unser Ziel. Wir wollten über diese Fotos hinaus auch Flugaufnahmen machen.

Nach einer kurzen wetterbedingten Flucht ins Auto konnten wir unser Fotovorhaben dann weiter verfolgen. Und es sollte so kommen, wie wir uns das gewünscht hatten. Die Eulen – am Sonntag konnten wir insgesamt drei beobachten – waren sehr aktiv auf der Wiese und zeigten viele Flüge. Dies lag leider mitunter auch daran, dass einige Fotografen es sich nicht verkneifen konnten den Eulen sofort hinterherzulaufen und dicht auf die Pelle zu rücken, sobald sie sich hingesetzt hatten. Dadurch wurden die Eulen mehrfach aufgeschreckt und zum Flug gezwungen. Wir verfolgten hier eine andere Taktik, die sich sogar als die erfolgreichere herausstellen sollte. Wir suchten uns einen Standort in der Wiese und warteten dort einfach, bis eine der Eulen auf ihren Jagdflügen an uns vorbei flog oder sich sogar dicht neben uns ins Gras setzte. Die dabei entstandenen Fotos entschädigen absolut für den langen Anfahrtsweg.

 

Schön ist auch gewesen, dass wir sehr wechselnde Wetterbedingungen und daher auch sehr wechselndes Licht hatten. So war es möglich die Eulen in allen erdenklichen Situationen zu fotografieren.

 

 

Ein fotografisches Highlight folgte dann relativ spät am Tag. Eine der Sumpofohreulen hatte sich wieder mal ins Gras gesetzt und hinter einem Grasbüschel etwas Schutz vor dem doch kräftigen Wind gesucht. Nachdem sie einige Zeit von anderen Fotografen belagert wurde, entschieden diese sich dazu ihren Standort noch einmal zu wechseln. Ohne andere Fotografen um uns herum konnten wir uns der Eule dann nähern. In einiger Entfernung hockten wir uns auf den Boden und machten ein paar Bilder.

Als ich merkte, dass die Eule sich von diesen Fotos nicht gestört fühlte, versuchte ich noch etwas näher heran zu kommen. Auf dem Bauch liegend kroch ich langsam an die Eule heran und beobachtete dabei ihr Verhalten. Sie hatte mich schon lange gesehen und schaute mich auch immer mal wieder direkt an. Eine bedrohliche Wirkung hatte ich aber offensichtlich nicht, denn sie drehte den Kopf auch immer  wieder weg von mir. Schlussendlich war ich ca. 5-6m von ihr entfernt (ich hatte den Fokusbegrenzer des Objektivs auf 7m gestellt und musste ihn zwischendurch umstellen) und konnte einmalige Portraitfotos machen.

In meiner Jackentasche hatte ich auch noch die Konverter, sodass mir letztendlich auch ein Portraitfoto mit maximalem Abbildungsmaßstab gelang.

Nach über 5 Stunden Fotografie auf der Wiese traten wir gegen 16 Uhr die Heimreise an. Ich hatte über 1000 Bilder gemacht und war mit der Ausbeute des Tages sehr zufrieden. So nah werde ich einer Sumpfohreule wohl so bald nicht mehr kommen. Wer weiß, ob es mir überhaupt noch einmal gelingen wird…

Die Fotos aus diesem Beitrag sind nun auch in der Wildlife-Galerie eingefügt und können dort in voller Größe betrachtet werden.